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Nach Krimi – Meister in der Oberliga

Vor der Rekordkulisse von rund 500 Zuschauern haben sich die Korbjäger des 1. FC Kaiserslautern am Sonntag einen Spieltag vor dem Ende der Saison die Meisterschaft gesichert. In einer an Dramatik kaum zu überbietenden Schlussphase setzten sich die Roten Teufel gegen ihren zuvor punktglei-chen Rivalen Eintracht Lambsheim mit 77:68 (40:33) durch und dürfen nun sogar vom Double träumen.
„Ehrlich gesagt, haben wir uns das heute einfacher vorgestellt. Lambsheim ist wirklich ans Limit gegangen und hat alles reingehauen. Vielleicht sollte es einfach so sein. Man hat gesehen, was möglich ist, und es wäre wirklich cool, hier in Kaiserslautern wieder etwas aufzubauen“, gab Headcoach Michael Skender im Anschluss an den Basketball-Krimi zu Protokoll.

Der ehemalige Profi, der als Spieler mit dem FCK einst an das Tor zur Ersten Bundesliga klopfte, hat gemeinsam mit seinem Co-Trainer Thomas Erb und Berater Jan Christmann ein Team geformt, das sich mit einem leidenschaftlichen Auftritt in die Herzen der Zuschauer spielte. Die insgesamt acht Führungswechsel belegten eindrucksvoll, dass auch die von mehr als 100 Fans lautstark unterstützten Gäste den Aufstieg in die Zweite Regionalliga verdient gehabt hätten.

Als Knackpunkt aus Sicht der Eintracht erwies sich die Verletzung von Bertram Lind, der es bis zu seinem Ausscheiden auf starke 17 Punkte gebracht hatte. Der 23-jährige Power Forward zog sich im dritten Viertel im Kampf um den Rebound eine Verletzung zu und wurde unter dem aufmunternden Applaus der Fans beider Mannschaften vom Feld geleitet. FCK-Mannschaftsarzt Thilo Weißmann und Physiotherapeut Harald Abele waren sofort zur Stelle, um den Verletzten fachmännisch zu versorgen. Auch ohne ihren treffsicheren Top-Rebounder konnte die Eintracht das Spiel bis kurz vor Ende offenhalten (67:67/37.), ehe im Spiel nach vorne dann zur Unzeit der Faden riss. „Die tiefere Bank hat heute den Unterschied gemacht. Wir konnten in der entscheidenden Phase nachlegen und uns auf unsere Routiniers verlassen“, sagte Christmann mit Blick auf die beiden verwandelten Freiwürfe von Gergely Hosszu zum 74:68 (39.) und den entscheidenden Dreier von Waldemar Nap, der unter dem Jubel der Fans den Deckel draufmachte.
„Wir waren alle super nervös vor diesem Spiel. Wenn man vor so vielen Zuschauern spielen darf, dann will man sie natürlich keinesfalls enttäuschen“, gab der sprunggewaltige Forward Einblicke in sein Seelenleben.„Ich habe in der Nacht vor dem Spiel so gut wie nicht geschlafen. Der ganze Ausgang der Saison hing nur vom Ausgang dieser Partie ab. Hätten wir verloren, wäre alles umsonst gewesen.“
Mit insgesamt 26 Punkten, darunter sieben von zehn verwandelten Freiwürfen, avancierte Nap zum Matchwinner. Auch der US-Amerikaner Malik Pugh (18) traf zweistellig. Die Rot-Weißen lagen zur Halbzeit mit 40:33 (20.) in Front, sahen sich nach der Pause jedoch mit einem extrem willensstarken Gegner konfrontiert. Der Plan, die Führung so schnell wie möglich zweistellig auszubauen und zu verwalten, ging gründlich schief.
Lambsheim kam wild entschlossen aus der Kabine und verwandelte den Sieben-Punkte-Rückstand bis zur Mitte des dritten Viertels in eine 52:47-Führung. Es sollte die höchste Führung der Gäste an diesem denkwürdigen Abend gewesen sein. Beim Stand von 65:63 (36.) lag Lambsheim letztmalig in Front. Die letzten drei Minuten gehörten dann den Hausherren, die mit einem 14:5-Lauf zum 77:68-Endstand den Titel unter Dach und Fach brachten.

„Obwohl wir sehr stolz auf diese Saison sein können, überwiegt nach so einem Spiel natürlich erst einmal ganz klar die Enttäuschung. Wir waren zu unerfahren und zu ängstlich, haben gerade am Anfang zu viele Punkte liegen lassen. Aber wir sind eine junge Mannschaft und greifen nächstes Jahr wieder an“, erklärte Eintracht-Trainerin Ulrike Fleissner nach dem Schlusspfiff. „Es war eine emotionale Achterbahnfahrt. Zum Glück haben wir es nach dem Rückstand geschafft, das Momentum wieder auf unsere Seite zu ziehen. Beide Teams haben eine unglaubliche Saison gespielt und hätten den Aufstieg verdient gehabt“, bilanzierte Christmann. „Das Spiel hat gezeigt, dass Basketball weiterhin eine Chance in dieser Stadt hat.“

Quelle: Rheinpfalz 25.03.2025 Karsten Kalbheim

Fotos: ©Michael Schmitt